Freitag, 9. Dezember 2011

Ein Jahr mit Franz Liszt

So sah es im Sommer 2011 auf dem Bechstein aus.
Dass das Liszt-Jahr 2011 ein besonderes Jahr werden würde, zumindest in musikalischer Hinsicht, hatte ich mir irgendwie gedacht. Ich hatte mich schon lange darauf gefreut, mich ein ganzes Jahr lang der Person und dem Schaffen des Komponisten zu widmen, der mich begleitet seit dem ich etwas 12 Jahre alt war. So habe ich neben der neuerlichen Lektüre von Alan Walkers dreibändiger Liszt-Biographie und den Büchern über Liszts Jahre in Rom und Tivoli sowie über Liszt in Bayreuth von Ernst Burger mich auf die Spuren Franz Liszts und Rom, Tivoli und Weimar begeben, die Atmosphäre im Garten der Villa d'Este aufgesogen und mir jede Menge neue CDs mit Musik von Franz Liszt zugelegt.

Da selber spielen aber besser ist als CDs hören, stand vor allem die Beschäftigung mit den Werken Liszts im Vordergrund, die ich dann auch in vier öffentlichen Soloabenden und einem gemeinsamen Konzert mit meinem Freund Axel Wilberg (Orgel) sowie in einem kleinen Konzert vor einem Musikkurs im Emil-Fischer Gymnasium in Euskirchen mehr oder weniger gut zu Gehör gebracht habe. Jedes Recital war ein ganz besonderes Erlebnis, jedesmal war es anders und es waren spannende und intensive Musikmomente. 

Alleine hätte ich das niemals hinbekommen und an jedem Konzert waren viele andere Menschen beteiligt, die ihre Zeit und Kraft für mich und meine Musikprojekte nicht nur in diesem Jahr geopfert haben. Besonders danken möchte ich allen voran Prof. Peter Florian vom Institut für Musik der Hochschule Osnabrück für die guten, inspirierenden und ungemein hilfreichen Klavierstunden. 

Mein besonderer Dank gilt auch Gerd Lührmann für die Möglichkeit, über zwei Jahre auf dem wunderschönen C. Bechstein-Flügel aus dem Jahr 1889 üben zu dürfen. Von diesem Instrument muss ich mich nun leider trennen. Ebenso bin ich Matthias Bettich und dem ganzen Team von Bettich-Piano in Ibbenbüren Laggenbeck mehr als dankbar - nicht nur für das Ausrichten der Konzerte 2010 und 2011 sondern auch für die Freundschaft, die Unterstützung und die Tonnen von Kaffee. Ich werde Bettich-Piano immer sehr verbunden bleiben. Ihr habt maßgeblich dazu beigetragen, dass die Jahre, die ich hauptsächlich im Osnabrücker Raum verbracht habe, gelungene Jahre waren. 

Einen ganz besonderen Dank an Heinrich Wedel und Johannes Bauer vom Klavierhaus Klavins in Bonn-Beuel. Ich bin diesem Klavierhaus seit der Zeit, als ich mit fünfzehn, sechzehn Jahren dort wöchtenlich Klavierunterricht hatte, sehr verbunden. Es ist immer eine Freunde dort hinzukommen und zu spielen.
 
Danke auch an Volker Prinz und allen, die den gemeinsamen Liszt-Abend mit Axel Wilberg (Orgel) am 30.10. in Euskirchen-Kuchenheim möglich gemacht haben, vor allem an Frau Wilberg für die leckere Ungarische Gulaschsppe.

Ebenso bin ich allen vom Kuluramt der Stadt Sankt Augustin dankbar, die nicht nur den Liszt-Abend zu des Meisters 200. Geburtstag ermöglicht und organisiert haben, sondern mich und meine musikalischen Aktivitäten seit fast 20 Jahren unterstützen. Es ist schön, wieder dauerhaft in Sankt Augustin ansässig zu sein!

Ein herzliches Vergelt's Gott an Schwester Michaela und allen vom St.-Theresien-Gymnasium in Ruppichteroth-Schönenberg. Danke an Joachim Volkmann für die Berichterstattung auf Pius.info und an alle, die zum Gelingen dieses denkwürdigen Liszt-Abends dort beigetragen haben, vor allem an Kaplan Paolo D'Angona für die "geistliche Betreuung" und den schönen Nachmittag und Abend zusammen. Mein ganz besonderer Dank gilt Magdalena Kötting für's gekonnte Umblättern!

Nicht weniger dankbar bin ich meinen anderen Freunden, mit denen ich musizieren durfte und die mir geblättert haben: Linda Wargers, deren musikalischen Werdegang ich 1 1/2 Jahre begleiten und betreuen durfte, Albert Seibert und Axel Wilberg.

Danke auch an Freunde und Verwandte, die mich entweder aus der Ferne oder der Nähe ermuntert, ertragen und Interesse an mir und meiner Musik gezeigt haben. Die Liste ist sehr lang, doch möchte ich namentlich meine Eltern, Björn Schmidt, Christiane Weber (auch für die Fotos) und Mark Filip jenseits des Atlantiks danken.

Danke auch an Thomas Küper und Monika Pröhl vom Verein "Chance auf Leben e.V. Salzbergen/Gomel".

Plakat von dtp grafik cgvg.
Ich kann mit Stolz sagen, dass ich mit Sicherheit weit und breit die schönsten Plakate und Handzettel habe. Vielen, vielen Dank an dtp grafik cgvg (Corinna Grätzel von Grätz) für das Design und an René Schöpe für den Druck.

Es war, wie gesagt, ein sehr intensives und sehr spannendes Jahr, das mir die Person und das Werk Franz Liszts wieder ein Stück näher und vertrauter gemacht hat. Dieses Jahr hat mir aber auch ganz klar meine Grenzen aufgezeigt und so zu einem Stück Selbsterkenntnis geführt. Ein Leben, das in erster Linie aus ständiger Pendelei zwischen der rheinischen Heimat und dem Osnabrücker Land besteht, ein Berufsalltag, der nicht nur durch die ständige Fahrerei zwischen den Kunden zeit- und geldaufwendig ist sondern sich am Ende auch nicht auszahlt und nicht nur deswegen aus zunehmenden Frust besteht, kann nicht gesund sein. Das habe ich in den letzten Wochen leider sehr deutlich zu spüren bekommen. So war es die Musik, die mich getragen hat, mir aber auch sehr viel abverlangt hat. Als Konsequenz bin ich nun ins Rheinland zurückgekehrt und freue mich, auf ein stressfreieres Leben und auf meine musikalischen Projekte im nächsten Jahr.

Ich werde Teile des Liszt-Programms noch bei zwei privaten Hauskonzerten im Januar spielen und im nächsten Jahr gibt's dann Brahms und Beethoven!

Allen Freunden ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Heimspiel zu Liszts 200. Geburtstag

Ich hatte schon vor über zwei Jahren das Haus Menden in meiner Heimatstadt Sankt Augustin für den 22. Oktober 2011 reserviert. Ich wollte am 200. Geburtstag von Franz Liszt ein Heimspiel, doch was ich spielen wollte, war mir da noch nicht so ganz klar. Ursprünglich hatte ich an ein Programm bestehend aus Beethoven, Czerny und Liszt gedacht und mir sogar schon die Noten einer Klaviersonate in As-dur von Carl Czerny besorgt, doch den Gedanken hatte ich schnell wieder verworfen. Dass ich aber ein ganzes Programm mit Liszt-Werken spielen würde, hätte ich nicht gedacht, weil ich es mir vor zwei Jahren gar nicht zugetraut hätte. Am Ende stand dann doch ein reines Liszt-Programm, ein wenig abgespeckt gegenüber dem, wozu ich mich Ende letzten Jahres entschlossen hatte (statt aller sechs Consolations nur die Nummern 1, 3 und 4 und statt der 2. Ungarischen Rhapsodie der Liebestraum Nr. 3), aber dennoch ein sehr anspruchsvolles Programm, von dem ich vor zwei Jahren nicht geglaubt hätte, dass ich es hinbekommen könnte. 

Von den Liszt-Abenden war der gestrige wohl der beste. Das Instrument, ein Salongflügel von K. Kawai, hat super geklungen, im Gegensatz zu dem Abend bei Klavins in Beuel am 8.10. konnte ich mich wieder ganz in die Musik fallen lassen und hatte den Kopf frei. Die Ungarische Rhapsodie gegen den Liebestraum auszutauschen war eine ausgezeichnete Idee. Auch der Liebestraum ist nicht so ganz ohne, stellte aber nicht so eine Belatsung dar, wie die Rhapsodie (siehe den vorherigen Blogeintrag). 

Das Konzert war gut besucht und ich habe mich wirklich gefreut, Gesichter zu sehen, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Der Abend klang in bester Runde aus Familie und Freunden aus.

Freitag, 21. Oktober 2011

Rückblick: Liszt-Abend im Klavierhaus Klavins am 8. Oktober

Plakat von dtp grafik
Corinna Grätzel von Grätz
Dieser Blog nimmt an Aktualität rasant zu. Immerhin ist das hier dargestellte Ereignis noch nicht einmal zwei Wochen her (vielleicht sollte ich es aber auch drangeben mit dem Blog, ich bin da echt nicht für geschaffen).

 Ad rem: Das Klavierhaus Klavins in Bonn-Beuel ist für mich ein ganz besonderer Ort, nicht nur für Konzerte. Dort hatte ich als Jugendlicher längere Zeit Klavierunterricht bei Eleonora Sauer und jedes Mal, wenn ich dort reinkomme (was ich viel zu selten tue), sind die Erinnerungen aus dieser Zeit wieder da. Außerdem habe ich dort noch als Abiturient meinen ersten Klavierabend mit Bach, Präludium und Fuge c-moll aus WTK I, Beethoven, Sonate As-dur op. 26 und Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung gegeben und seit dem ich wieder angefangen habe, Klavier zu spielen und Recitals zu geben, habe ich dort seit 2009 jedes Jahr gespielt. 

Diesmal erwartete mich dort ein neuer Schimmel K 280 (also ein Konzertflügel von 2,80m Länge). Schon letztes Jahr habe ich da auf einem kleineren Modell gespielt, nachdem ich 2009 einen C. Bechstein gewählt hatte. Der Flügel war großartig!

Leider kann ich das von meinem Spiel an dem Abend nicht behaupten. Irgendwie war der Wurm drin und, zusätzlich zu der einen oder anderen Stelle, die ich echt versemmelt hatte, wollte sich bei mir die Stimmung für die Musik nicht einstellen und es gelang mir nicht, die Außenwelt auszublenden, was sonst eine meiner Stäörken ist. Sicherlich ist es keine gute Idee, am Morgen des Konzerttages noch Englischunterricht zu geben, dann ins Einkaufszentrum zu fahren, ein Hemd zu kaufen (ohne es anzuprobieren), dann am frühen Nachmittag wieder ins Einkaufszentrum zu fahren, da das Hemd -- oh Wunder! -- viel zu klein ist. Zusätzlich gab es noch ein paar andere Dinge, die mir im Kopf rumgingen und die sich nicht abschalten ließen.

Und dann war da ja noch was anderes.... Genau, der Schrecken in der 2. Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt, TT 377ff, von der ich schon am 9. Mai 2008 meinte, dass ich sie langsam in den Griff bekommen würde. Natürlich hat sie 2008 auch kein einziges Mal vor Publikum geklappt und ich meine mich zu erinnern, dass ich sie bei einer Gelegenheit sogar "rauseditiert" hätte. Wie 2008 so auch diesmal: beim Üben hat diese Horror-Passage immer geklappt. Als ich anfing, die Rhapsodie Freunden und Schülern vorzuspielen, ging sie auch gut. Als ich sie meinem Lehrer vorspielte, ging sie daneben. Und ab da tat sie es regelmäßig, genau wie 1994 und 2008. Komischerweise waren die Skalen in Cis-dur immer gut. Sobald ich aber die Fis-dur Läufe anging, hatte ich das Gefühl, dass nach einer Oktave meine rechte Hand lahm wurde, als ob da eine Sperre sei oder jemand meine rechte Hand festhalten würde. Bei dem Klavierabend im St.-Theresien-Gymnasium hat die Stelle übrigens bestens geklappt. Bei Bettich-Piano ging sie leicht daneben (die Fis-dur Skalen). Im Klavierhaus Klavins war nicht nur die ganze Passage total für den Arsch, sondern auch noch eine Stelle davor. 

Und es boten sich genau zwei Lösungen des Problems an:

1. Hypnosetherapie. Es ist nicht so, als ob ich Stelle technisch nicht spielen könnte. Ich kann sie spielen. Dennoch klappt es vor Publikum nie. Mit anderen Worten: ich habe Angst vor der Stelle. Und gegen sowas hilft Hypnosetherapie. Diese ist aber teuer.

2. Die Rhapsodie nicht mehr spielen.

Eine theoretisch dritte Möglichkeit wäre, sie weiterzuspielen und in Kauf zu nehmen, dass besagte Passage in die Hose geht. Das war meine Strategie am 8.10. im Klavierhaus Klavins mit der Konsequenz, dass ich Option 3 gewählt habe. Statt dessen spiele ich morgen zu Liszts 200. Geburstag im Haus Menden in Sankt Augustin den Liebestraum Nr. 3. Der ist ja auch sehr schön und nicht so halsbrecherisch wie die Rhapsodie.

Dennoch war der Abend am 8.10. ein toller Erfolg. Der Konzertraum war ganz gut gefüllt und ich habe zwei Zugaben gegeben (und das noch nicht einmal gegen den Willen des Publikums). Und es gab auch ein paar echte Highlights. Ich würde sagen, dass mir die Consolations (ich habe die erste, dritte und vierte im Programm und die fünfte als erste Zugabe gespielt) noch nie so gut gelungen sind, vor allem die Consolation Nr. 3 war fast konzertreif.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Rückblick: Liszt-Abend bei Bettich-Piano im MusikProduktiv in Laggenbeck am 23. September

Der zweite Liszt-Abend dieses Jahr fand am 23.9. bei MusikProduktiv in Ibbenbüren-Laggenbeck statt und wurde ausgerichtet von Bettich-Piano in Zusammenarbeit mit dem Verein Chance auf Leben e.V. in Salzbergen, zu dessen Gunsten das Konzert auch stattfand. 

Foto: Christiane Weber
Unterschiedlicher im Vergleich zu dem Abend im St.-Theresien-Gymnasium am 9. September konnte die Atmosphäre nicht sein. Der Flügel -- ein Matthias Bettich-Flügel mit 1,88m Länge -- stand zwischen Lautsprecherboxen auf der Bühne in der PA-Abteilung und ich müsste mehrfach daran denken, dass zu alten Rockmusik-Zeiten, der Anblick eines solchen Equipments zu exstatischen Zuständen geführt hätte. Jedoch mutete es zuerst ein wenig seltsam an, zwischen PA-Boxen und in der nicht gerade klassisch-romantischen Atmosphäre von MusikProduktiv Liszt zu spielen. Doch daran hatte ich mich nach ein paar Takten Einspielen gewöhnt und fand dann, dass es eine gelungene Kombination war.

Das Konzert war sehr gut besucht, auch dank meiner Klavierschüler und deren Eltern, die gekommen waren. Dank der Bühnenbeleuchtung war es eine wirklich schweißtreibende Geschichte, die sehr viel Spaß gemacht hat und auch beim Publikum gut angekommen ist.

Fazit: Liszt passt vielleicht überall hin. Egal ob katholisches Mädcheninternat oder zwischen PA-Boxen im Musikgeschäft.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Rückblick: Liszt-Abend in Ruppichteroth-Schönenberg am 9. September

Die ersten beiden Klavierabende dieses Jahr zu Ehren von Franz Liszt sind vorüber -- und das (ich muss es zu meiner Blogger-Schande gestehen) schon seit ein paar Wochen. Genauer gesagt, der erste Liszt-Abend im St.-Theresien-Gymnasium in Ruppichteroth-Schönenberg war am 9. September und der Abend bei Bettich-Piano im MusikProduktiv in Ibbenbüren-Laggenbeck war am 23. September. Der für den 18. September geplante Orgel- und Klavierabend mit Werken von Franz Liszt zusammen mit Axel Wilberg (Orgel) in Euskirchen-Kuchenheim musste leider wegen einer sehr schmerzhaften Nagelbettentzündung am Mittelfinger meiner linken Hand auf den 30. Oktober verschoben werden.

Die beiden Abende in Schönenberg und Laggenbeck waren für mich (und ich denke auch für mein Publikum) ganz besondere Erlebnisse, wobei die Örtlichkeiten unterschiedlicher gar nicht sein konnten. 

Das St.-Theresien-Gymnasium liegt im schönen Bröltal im Rhein-Sieg-Kreis. Es ist ein katholisches Mädcheninternat, das gerade sein 20. Jubiläum gefeiert hat und das von der von mir sehr geschätzten Priesterbruderschaft St. Pius X. betetreut wird. Eine perfekte Umgebung für einen Abend mit Musik vom Abbé Liszt. Nicht ohne Absicht habe ich für das Plakat eine Liszt-Photographie von Nadar gewählt, die den Abbé wenige Monate vor seinem Tod im jahre 1886 zeigt. Allerdings hat das Bild zu einem amüsanten Missverständnis geführt. Das Plakat hing an verschiedenen Stellen in der Schule aus, wie z.B. am Mitteilungsbrett, am Eingang zur Kirche und am Eingang zur Kapelle. Eine Woche vor dem Konzert bin ich also nach Schönenberg gefahren, um mich mit dem alten aber schönen Flügel der Marke Tuch & Geyer (ich schätze zwischen 1890 und 1900) anzufreunden. Während ich also auf dem Flügel mein Programm durchspielte, kamen immer wieder jüngere Schülerinnen in den Saal und hörten ein wenig zu. Später bemerkte dann eines der jungen Mädchen, ich sähe doch ganz anders aus als auf dem Plakat. Diese schöne kleine Anekdote hat es sogar bis in den Kölner Stadt-Anzeiger und in den Bericht auf der Internetpräsenz der Priesterbruderschaft St. Pius X. geschafft.

Da ich wusste, dass der Großteil des Publikums aus Internatsschülerinnen bestand, habe ich nach Absprache mit der Schulleiterin, Schwerster Maria Michaela, ein paar erklärende Texte zum Leben Liszts und den einzelnen Stücken verfasst und vorgetragen. Ich habe mich bisher immer dagegen gewehrt, in meinen Klavier-Recitals zu reden, teils weil ich befürchtete, dies würde die Konzentration auf das Spielen beeinträchtigen, teils weil ich denke, dass man wenigstens mal im Konzert auf jedes überflüssige gesprochene Wort verzichten sollte. Vielleicht liegt meine Abneigung gegen "Moderation" im Konzert ja auch daran, dass ich in meinem Hauptberuf sehr viel reden und zuhören muss. Wie dem auch sei, die Mischung aus Musik und Hintergrundinformation kam sehr gut an. 

Der Abend war ein großartiger Erfolg, doch was viel wichtiger ist, es war ein spannendes Musizieren und es mir gelungen, die Magie der Musik Liszts lebendig werden zu lassen, trotz aller Unzulänglichkeiten meines Spiels. Als besonders schön habe ich empfunden, dass durch eine geöffnete Tür zum Garten hin das Plätschern eines Springbrunnens zu hören war, welches sich dann sehr schön mit den Klängen von "Les jeux d'eaux à la Villa d'Este" (mein Lieblingsstück aus dem Programm) vermischt hat.

Es war ein unvergesslicher Abend und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die diesen Abend möglich gemacht haben.

Sonntag, 31. Juli 2011

Am 125. Todestag von Franz Liszt

Liszt-Sterbehaus in Bayreuth
Heute ist also der erste Gedenktag im Liszt-Jahr 2011. Am 31. Juli 1886, vor 125 Jahren, starb in Bayreuth gegen 23.15 Franz Liszt.

Pünktlich zu diesem Tag ist Ernst Burgers neues Buch Franz Liszt. Leben und Sterben in Bayreuth erschienen, das die Erstveröffentlichung von Lina Schmalhausens Tagebuch in der deutschen Originalsprache enthält. Lina Schmalhausen war eine Liszt-Schülerin und begleitete den Meister in seinen letzten Lebensjahren bei seinen Reisen nach und Aufenthalten in Pest und teilweise auch Rom. Sie war nicht nur seine Schülerin, sondern auch seine Hilfe im Alltag; vielleicht auch seine Geliebte. Im Juli 1886 traf sie mit Liszt in Bayreuth zusammen und wurde so Zeugin seines Todes -- Cosima hatte sie aus dem Hause verbannt und sie sah im Garten auf einer Steintreppe sitzend durch eine Glastüre Franz Liszt sterben.

Alan Walker hat Linas Aufzeichnungen über die letzten Tage im Leben Liszts 2002 in englischer Sprache herausgegeben. In seinem Vorwort zählt Burger all die Schwächen von Walkers Ausgabe auf -- Auslassungen, falsche Übersetzungen, sinnverdrehende Kommentare, Mißverständnisse.

Burgers Ausgabe enthält wieder einige bisher unveröffentlichte Bilder, wie zum Beispiel ein Bild, das 1978 anlässlich der Fundamentierungsarbeiten für den Neubau der im Krieg zerstörten Grabkapelle Liszts auf dem Bayreuther Friedhof entstanden ist. Das Bild zeigt Liszts Metallsarg im geöffneten Grab. Der Sarg scheint gut erhalten, das große Kruzifix auf dem Sargdeckel ist gut zu erkennen.

Ich habe Walkers Ausgabe von Linas Tagebuch auf einer Bayernreise 2008 gelesen, bevor ich nach Bayreuth kam und die Räumlichkeiten, in denen Liszt starb und die seit 1993 das Liszt-Museum beherbergt, selber sehen konnte. Ein sehr berührender Moment...

Die Person, oder besser die Persönlichkeit Franz Liszts begleitet mich seit dem ich 12 Jahre alt war. Meine Eltern gaben mir damals den biographischen Roman Ungarische Rhapsodie zu lesen. Das Buch hat mich damals (wie heute auch) unheimlich beeindruckt und wurde in den folgenden Jahren meine Sommerlektüre -- eine Gewohnheit, die ich seit 2008 irgendwie wieder aufgegriffen habe. Es war aber damals eine gute Motivationshilfe und Horizonterweiterung. Ich habe in dem Alter durch das Buch sehr viel über Musik und Musikgeschichte gelernt, es war auch mein erster Berührungspunkt mit Richard Wagner und es hat mich immer über Wochen hin sehr beschäftigt.

Und als ich nach langer Pause mich dann 2008 wieder intensiv dem Klavier widmete, war Liszt auch schnell wieder dabei und seit dem habe ich in jedem Programm mindestens ein Liszt-Werk gespielt. 

Dieses Jahr steht natürlich nur Liszt auf dem Programm. Neben den Klavierbearbeitungen von Schuberts "Ständchen", die Liszt selber oft in seinen Konzerten in den 1840er Jahren gespielt hat, und von Wagners "Isoldes Liebestod" werde ich wieder die "Funérailles", "Consolations" und mein altes Schlachtross, die Zweite Ungarische Rhapsodie, spielen. Einen besonderen Wunsch erfülle ich mir mit "Les jeux d'eaux à la Villa d'Este", mein persönliches Lieblingsstück von Franz Liszt, von dem ich noch vor einem Jahr gedacht habe, dass es weit außerhalb meiner Möglichkeiten ist. Ob dem so ist, lasse ich andere entscheiden. Außerdem mit dabei das düstere "Nuages gris", das ich gelegntlich als Zugabe gespielt habe. Schon im Mai habe ich bei der Veranstaltung "Grüner ist, seit ich so fühl..." den Liebestraum Nr. 3 gespielt, der bei meinen Liszt-Abenden die Zugabe ist. 

Liszts Grabkapelle in Bayreuth
Heute, sein 125. Todestag, war schon ein bewegender Tag. Im Radio habe ich einige Sendungen gehört und im Bayrischen Fernsehen wurde Liszts h-Moll Sonate gespielt von Daniel Baremboim in der Villa Wahnfried gesendet. Ich selber habe heute mehr Liszt gespielt als geübt und seltsamerweise war es heute, dass ich das erste Mal das Gefühl hatte, dass ich hier nicht einzelne Werke von zum Teil extremen Schwierigkeitsgrad spiele, sondern ein rundes Programm, das spannend ist und unter die Haut geht. Es hat sehr viel Freude gemacht und war fast wie eine persönliche Begegnung mit Liszt.

Die Musikwelt hat Franz Liszt unheimlich viel zu verdanken. Vielleicht wird sie sich dessen im Laufe des Jahres voll bewusst werden und Franz Liszt wird die Würdigung als Komponist erhalten, die ihm immer noch versagt ist. Vielleicht auch nicht. Ich jedenfalls habe diesem Mann sehr, sehr viel zu verdanken. 

Er und seine Musik haben mich von Jugend an erfreut.

Freitag, 20. Mai 2011

"Grüner ist, seit ich so fühl..."

Zum Lyrik- und Musikabend, den ich mit Josef Kühlem am 8. Mai im Haus Menden gestaltet habe, schrieb der Bonner General-Anzeiger am 10. Mai:

"Grüner ist, seit ich so fühl..."
Josef Kühlem und Daniel Höhr präsentieren Lyrik und Klaviermusik zum Thema Liebe

SANKT AUGUSTIN. Lyrik und die dazu passende Musik rund um das Thema Liebe, was kann es im Wonnemonat Mai Schöneres geben. Pianist Daniel Höhr und Rezitator Josef Kühlem bescherten am Sonntag im Haus Menden einen lyrischen Abend der besonderen Art. Mal ernst, mal heiter, beleuchteten die beiden das ewige Thema "Liebe" mit Texten von Goethe, Brecht, Kästner und Mörike und der dazu passenden, wundervoll romantischen Musik von Schubert, Liszt und Wagner. Mit ihren Darbietungen bescherten sie den etwa 20 Gästen einen wunderschönen Abend.

"Grüner ist, seit ich so fühl..." lautete der Titel des Programms der beiden Künstler Höhr und Kühlem, die sich mit schwelgender Klaviermusik und besinnlichen, erotischen, tragischen aber auch witzigen Texten den "Schmetterlingen im Bauch" näherten. Mit dem "Liebestraum" von Franz Liszt tauchte Pianist Daniel Höhr musikalisch bereits am Anfang tief in die Thematik ein, bevor Josef Kühlem den interessierten Gästen auf unnachamliche Art lyrische Texte von Goethe, Brecht und Walther von der Vogelweide kredenzte. Rund eineinhalb Stunden fesselten die beiden gebürtigen Mendener ihr Publikum mit einem Programm, das wunderbar in die Jahrezeit passt. Während Höhr, der 1973 das Licht der welt erblickte und im zarten Alter von acht Jahren mit dem Klavierspielen begann, die passenden zarten Töne mit seinen Fingern den Tasten entlockte, widmete sich Kühlem eindringlich den Rezitationen der lyrischen Werke alter Meister. Allerdings nicht ohne Anmerkungen, den Kühlem machte klar, dass mit dem Wort "Liebe" heute viel zu inflationär umgegangen würde. "Ich finde, dass unser heutiges Programm gut zum Muttertag passt, denn ohne Liebe gäbe es weder Mütter noch uns", sagte Kühlem. Der 1939 in Menden geborene und in Bad Neuenahr lebende Josef Kühlem sieht sich als Wortwerker, gilt in seinem Wohnort als "Meister des Literatainments" und beeindruckte im Haus Menden mit seiner Art der kurzweiligen Rezitation.

"Wir sind bisher nur einmal gemeinsam aufgetreten und haben für diesen Auftritt auch nur einmal geprobt", sagte Pianist Höhr, kurz bevor er mit Kühlem auf die Bühne ging. Eigentlich kaum vorstellbar, denn die beiden bildeten eine wunderbare Symbiose aus musikalischer und literarischer Darbietung, so dass kaum einer vermuten würde, dass Höhr und Kühlem nicht ständig gemeinsame Sache machen. Der Abend war Bestandteil des "Augustiner Mais" und bewies, welch tolle Künstler aus Sankt Augustin kommen.

Also, Wagner hab ich nicht gespielt....