Dienstag, 4. Oktober 2011

Rückblick: Liszt-Abend in Ruppichteroth-Schönenberg am 9. September

Die ersten beiden Klavierabende dieses Jahr zu Ehren von Franz Liszt sind vorüber -- und das (ich muss es zu meiner Blogger-Schande gestehen) schon seit ein paar Wochen. Genauer gesagt, der erste Liszt-Abend im St.-Theresien-Gymnasium in Ruppichteroth-Schönenberg war am 9. September und der Abend bei Bettich-Piano im MusikProduktiv in Ibbenbüren-Laggenbeck war am 23. September. Der für den 18. September geplante Orgel- und Klavierabend mit Werken von Franz Liszt zusammen mit Axel Wilberg (Orgel) in Euskirchen-Kuchenheim musste leider wegen einer sehr schmerzhaften Nagelbettentzündung am Mittelfinger meiner linken Hand auf den 30. Oktober verschoben werden.

Die beiden Abende in Schönenberg und Laggenbeck waren für mich (und ich denke auch für mein Publikum) ganz besondere Erlebnisse, wobei die Örtlichkeiten unterschiedlicher gar nicht sein konnten. 

Das St.-Theresien-Gymnasium liegt im schönen Bröltal im Rhein-Sieg-Kreis. Es ist ein katholisches Mädcheninternat, das gerade sein 20. Jubiläum gefeiert hat und das von der von mir sehr geschätzten Priesterbruderschaft St. Pius X. betetreut wird. Eine perfekte Umgebung für einen Abend mit Musik vom Abbé Liszt. Nicht ohne Absicht habe ich für das Plakat eine Liszt-Photographie von Nadar gewählt, die den Abbé wenige Monate vor seinem Tod im jahre 1886 zeigt. Allerdings hat das Bild zu einem amüsanten Missverständnis geführt. Das Plakat hing an verschiedenen Stellen in der Schule aus, wie z.B. am Mitteilungsbrett, am Eingang zur Kirche und am Eingang zur Kapelle. Eine Woche vor dem Konzert bin ich also nach Schönenberg gefahren, um mich mit dem alten aber schönen Flügel der Marke Tuch & Geyer (ich schätze zwischen 1890 und 1900) anzufreunden. Während ich also auf dem Flügel mein Programm durchspielte, kamen immer wieder jüngere Schülerinnen in den Saal und hörten ein wenig zu. Später bemerkte dann eines der jungen Mädchen, ich sähe doch ganz anders aus als auf dem Plakat. Diese schöne kleine Anekdote hat es sogar bis in den Kölner Stadt-Anzeiger und in den Bericht auf der Internetpräsenz der Priesterbruderschaft St. Pius X. geschafft.

Da ich wusste, dass der Großteil des Publikums aus Internatsschülerinnen bestand, habe ich nach Absprache mit der Schulleiterin, Schwerster Maria Michaela, ein paar erklärende Texte zum Leben Liszts und den einzelnen Stücken verfasst und vorgetragen. Ich habe mich bisher immer dagegen gewehrt, in meinen Klavier-Recitals zu reden, teils weil ich befürchtete, dies würde die Konzentration auf das Spielen beeinträchtigen, teils weil ich denke, dass man wenigstens mal im Konzert auf jedes überflüssige gesprochene Wort verzichten sollte. Vielleicht liegt meine Abneigung gegen "Moderation" im Konzert ja auch daran, dass ich in meinem Hauptberuf sehr viel reden und zuhören muss. Wie dem auch sei, die Mischung aus Musik und Hintergrundinformation kam sehr gut an. 

Der Abend war ein großartiger Erfolg, doch was viel wichtiger ist, es war ein spannendes Musizieren und es mir gelungen, die Magie der Musik Liszts lebendig werden zu lassen, trotz aller Unzulänglichkeiten meines Spiels. Als besonders schön habe ich empfunden, dass durch eine geöffnete Tür zum Garten hin das Plätschern eines Springbrunnens zu hören war, welches sich dann sehr schön mit den Klängen von "Les jeux d'eaux à la Villa d'Este" (mein Lieblingsstück aus dem Programm) vermischt hat.

Es war ein unvergesslicher Abend und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die diesen Abend möglich gemacht haben.

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