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| Plakat von dtp grafik Corinna Grätzel von Grätz |
Dieser Blog nimmt an Aktualität rasant zu. Immerhin ist das hier dargestellte Ereignis noch nicht einmal zwei Wochen her (vielleicht sollte ich es aber auch drangeben mit dem Blog, ich bin da echt nicht für geschaffen).
Ad rem: Das Klavierhaus Klavins in Bonn-Beuel ist für mich ein ganz besonderer Ort, nicht nur für Konzerte. Dort hatte ich als Jugendlicher längere Zeit Klavierunterricht bei Eleonora Sauer und jedes Mal, wenn ich dort reinkomme (was ich viel zu selten tue), sind die Erinnerungen aus dieser Zeit wieder da. Außerdem habe ich dort noch als Abiturient meinen ersten Klavierabend mit Bach, Präludium und Fuge c-moll aus WTK I, Beethoven, Sonate As-dur op. 26 und Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung gegeben und seit dem ich wieder angefangen habe, Klavier zu spielen und Recitals zu geben, habe ich dort seit 2009 jedes Jahr gespielt.
Diesmal erwartete mich dort ein neuer Schimmel K 280 (also ein Konzertflügel von 2,80m Länge). Schon letztes Jahr habe ich da auf einem kleineren Modell gespielt, nachdem ich 2009 einen C. Bechstein gewählt hatte. Der Flügel war großartig!
Leider kann ich das von meinem Spiel an dem Abend nicht behaupten. Irgendwie war der Wurm drin und, zusätzlich zu der einen oder anderen Stelle, die ich echt versemmelt hatte, wollte sich bei mir die Stimmung für die Musik nicht einstellen und es gelang mir nicht, die Außenwelt auszublenden, was sonst eine meiner Stäörken ist. Sicherlich ist es keine gute Idee, am Morgen des Konzerttages noch Englischunterricht zu geben, dann ins Einkaufszentrum zu fahren, ein Hemd zu kaufen (ohne es anzuprobieren), dann am frühen Nachmittag wieder ins Einkaufszentrum zu fahren, da das Hemd -- oh Wunder! -- viel zu klein ist. Zusätzlich gab es noch ein paar andere Dinge, die mir im Kopf rumgingen und die sich nicht abschalten ließen.
Und dann war da ja noch was anderes.... Genau, der Schrecken in der 2. Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt, TT 377ff, von der ich schon am 9. Mai 2008 meinte, dass ich sie langsam in den Griff bekommen würde. Natürlich hat sie 2008 auch kein einziges Mal vor Publikum geklappt und ich meine mich zu erinnern, dass ich sie bei einer Gelegenheit sogar "rauseditiert" hätte. Wie 2008 so auch diesmal: beim Üben hat diese Horror-Passage immer geklappt. Als ich anfing, die Rhapsodie Freunden und Schülern vorzuspielen, ging sie auch gut. Als ich sie meinem Lehrer vorspielte, ging sie daneben. Und ab da tat sie es regelmäßig, genau wie 1994 und 2008. Komischerweise waren die Skalen in Cis-dur immer gut. Sobald ich aber die Fis-dur Läufe anging, hatte ich das Gefühl, dass nach einer Oktave meine rechte Hand lahm wurde, als ob da eine Sperre sei oder jemand meine rechte Hand festhalten würde. Bei dem Klavierabend im St.-Theresien-Gymnasium hat die Stelle übrigens bestens geklappt. Bei Bettich-Piano ging sie leicht daneben (die Fis-dur Skalen). Im Klavierhaus Klavins war nicht nur die ganze Passage total für den Arsch, sondern auch noch eine Stelle davor.
Und es boten sich genau zwei Lösungen des Problems an:
1. Hypnosetherapie. Es ist nicht so, als ob ich Stelle technisch nicht spielen könnte. Ich kann sie spielen. Dennoch klappt es vor Publikum nie. Mit anderen Worten: ich habe Angst vor der Stelle. Und gegen sowas hilft Hypnosetherapie. Diese ist aber teuer.
2. Die Rhapsodie nicht mehr spielen.
Eine theoretisch dritte Möglichkeit wäre, sie weiterzuspielen und in Kauf zu nehmen, dass besagte Passage in die Hose geht. Das war meine Strategie am 8.10. im Klavierhaus Klavins mit der Konsequenz, dass ich Option 3 gewählt habe. Statt dessen spiele ich morgen zu Liszts 200. Geburstag im Haus Menden in Sankt Augustin den Liebestraum Nr. 3. Der ist ja auch sehr schön und nicht so halsbrecherisch wie die Rhapsodie.
Dennoch war der Abend am 8.10. ein toller Erfolg. Der Konzertraum war ganz gut gefüllt und ich habe zwei Zugaben gegeben (und das noch nicht einmal gegen den Willen des Publikums). Und es gab auch ein paar echte Highlights. Ich würde sagen, dass mir die Consolations (ich habe die erste, dritte und vierte im Programm und die fünfte als erste Zugabe gespielt) noch nie so gut gelungen sind, vor allem die Consolation Nr. 3 war fast konzertreif.

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