Dienstag, 26. Oktober 2010

Rezension meines Konzertes am 23.10. in der Ibbenbürener Volkszeitung

Aus der Ibbenbürener Volkszeitung vom 26.10.2010:


"Bilder einer Ausstellung" kam(en) gut an

Konzert und Ausstellung bei Bettich Piano zu Gunsten behinderter Menschen in Weißrussland

Von Sunhild Salaschek

Laggenbeck. Was erscheint wohl geeigneter für eine Ausstellung mit russischen Bildern als die Komposition "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski? "Das Große Tor von Kiew" - so der Titel des letzten Satzes dieses Stückes - hatte die weißrussische Malerin Lidija Schpektorova zwar nicht dargestellt, aber ihre farbenprächtigen Blumenbilder und die zahlreichen Herbst- und Winterlandschaften waren von ähnlicher Kraftfülle wie die Musik, die Daniel Höhr auf dem Klavier spielte.

Konzert und Ausstellung waren die beiden Pole der Benefizveranstaltung, die Bettich Piano zugunsten des Vereins "Chance auf Leben e.V." ausrichtete. Der Emsländische Verein unterstützt behinderte Menschen in Weißrussland, die besonders unter der Tschernobylkatastrophe leiden. Auch ein guter Teil des hilfsbereiten Publikums im beachtlich gefüllten Vortragssaal hatte osteuropäische Wurzeln. Da kann es nicht verwundern, dass die Musik von Mussorgsky hervorragend ankam.

Höhr, der nur nebenberuflich Pianist ist, beeindruckte darüber hinaus mit einem Programm bedeutender Meisterwerke. Er eröffnete das Konzert mit der sogenannten Mondscheinsonate (Op. 27 Nr. 2) von Ludwig van Beethoven. Die Bezeichnung "Mondscheinsonate" fasst den verzaubernden Eindruck des Eingangssatzes in Worte.

Dieses "Adagio sostenuto" rief nämlich Assoziationen an den nächtlichen Vierwaldstätter See, aber auch an einen Sonnenuntergang in der römischen Campagna oder an eine Totenklage wach. Höhr spielte die Sonate sehr klangintensiv, sodass es kaum möglich schien, "dass irgendjemand nicht tief beeindruckt sein sollte", wie es ein Kritiker bereits 1802, im Erscheinungsjahr der Sonate formulierte.

Die folgenden "Consolations" ("Tröstungen") von Franz Liszt erfordern neben einer gewissen Virtuosität auch intime Ausdrucksstärke. Höhr verstand es sehr gut, dem Publikum die leidenschaftlich drängenden Gefühle nahe zu bringen, während er die zarten Phrasen weniger differenziert modifizierte. Hier bedauerte man, dass der Musiker an einem Stutzflügel spielte, obwohl bei Piano Bettich eine Vielfalt von Instrumenten zur Verfügung gestanden hätte.

Das erstaunlich volle Klangvolumen des kleineren Flügels kam hingegen anschließend wieder bestens zur Geltung. Höhr machte kaum Pausen zwischen den einzelnen Abschnitten von Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Er setzte die ehr streng aufgebauten "Promenaden" in köstlichen Kontrast zu den übrigen Sätzen. Genüsslich verfolgten die Hörer die tapsigen Schritte des "Gnom", oder es amüsierte sich über das "Ballet der noch nicht ausgeschlüpften Küken", ehe es beim "Großen Tor von Kiew völlig dem dramatischen Pathos dieser aus dem Volksgut erwachsenen Programmmusik erlag.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen