Letztes Wochenende fand in Bonn ein privat organisiertes Semniar zur überlieferten Liturgie statt, das inhaltlich und liturgisch von Pater Martin Reinecke gestaltet wurde. Die beiden liturgischen Höhepunkte waren eine Messe in der Godesberger Michaelskapelle am Samstagmorgen und ein levitiertes Hochamt in der Kreuzbergkirche am Sonntagnachmittag. Bei beiden Messen durfte ich als Ministrant mitwirken. Der Blog VIRIDISSIMA VIRGA und die Website Summorum Pontificum berichten ausführlich und mit Bildern über das Seminar und die Messfeiern.
A propos Bilder: Im Rahmen dieses Seminares hatte ich am Samstagabend Gelegenheit, Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" im Kreise der Wochenendseminaristen vorzuspielen. Es war das erste Mal seit 1996, dass ich den Klavierzyklus vor einem Publikum gespielt habe und damals war es übrigens auch ein Hauskonzert.
Vorweg muss ich sagen, dass es jedes Mal ein Erlebnis ist, die "Bilder einer Ausstellung" ganz zu spielen. Es ist eine Reise durch grundverschiedene Szenen und Stimmungen, wobei mir immer der subjektive emotionale Aspekt mindestens genauso wichtig ist wie die musikalische Umsetzung der Bilder Viktor Hartmanns als kleine Szenen in Mussorgskys Klavierminiaturen. Damit meine ich, dass hier der Komponist nicht nur Bilder in Musik übersetzt sondern in erster Linie einen verstorbenen Freund betrauert und nach und nach selber Teil der Musik gewordenen Bilder wird. Ganz deutlich wird das in der nicht nur durch die gemeinsame Überschrift "Catacombae" eng mit "Sepulchrum romanum" verknüpften Promenadenversion "Cum mortuis in lingua mortua", in welcher der Komponist sich selbst (durch das Promenadenthema) und den verstorbenen Freund in einen direkten Todesbezug setzt. Auch die Kirchenglocken im letzten Satz läuten das Promenadenthema; der Komponist selber wird Teil des Triumphalismus (im positiven Sinne) des "Heldentors von Kiew". Die Verschmelzung der Trauer mit den Bildinhalten und deren augenscheinliche Überwindung ist für mich der Schlüssel zu Mussorgskys Klavierzyklus.
Auf diese Reise möchte ich auch meine Zuhörer mitnehmen und ich glaube, es ist mir am Samstag ein Stück weit gelungen. Technisch und von der Spielsicherheit her liefen "Bilder einer Ausstellung" viel besser als Beethovens op. 27 Nr. 2 und Liszts "Consolations" beim Hauskonzert am 29. Mai. Die Anzahl der Umgenauigkeiten war gering, was nicht heißen soll, dass ich nicht noch viel Arbeit an dem Zyklus hätte. Die Spannung kam auf jeden Fall schon rüber und es war ein schöner Erfolg.
Großartig war auch das Instrument, auf dem ich am Samstag gespielt habe - ein neuer Bechstein Academy A.190.
Es war ein eindrucksvolles, schönes Konzert. Das Thema Freundschaft legte sich über den Abend.
AntwortenLöschenEin herzliches Dankeschön!